Elke Adam

unterwegs...

Wenn eine eine Reise tut – meine abenteuerliche Hindernisreise in mein Winterzuhause

Dies ist ein längerer Text – aber wenn ich dann doch einmal irgendwann ein Buch schreibe dann brauche ich Text 😉

Endlich wieder unterwegs, endlich reise ich wieder in mein Winterzuhause nach Florida. Ich fühlte mich etwas entwöhnt nach der langen reisefreien Zeit. Dennoch hatte ich ja etwas „geübt“; letztens vor 6 Wochen, als ich mit Anita ans Nordkapp reiste…

Die Aufregung war jetzt anders, aber intensiv. Ich habe noch nie so viele Mails vor einer Reise bekommen – so viele Formulare die auszufüllen waren. Stundenlang hat das gedauert und nicht hat alles immer funktioniert. Britisch Airways wollte gerne, dass ich alle Dateien eine App eintrage – wäre dann alles schneller. Aber das mit der App gefiel mir nicht. Habe darüber gelesen. Sie sei so schlecht gemacht, dass es 2 Stunden dauert sich darin zurecht zu finden und außerdem wollte ich meine Daten nicht auf diese Weise weitergeben. So habe ich dann irgendwann beim letzten Formular (zur möglichen Kontaktverfolgung in den USA) das im internet auszufüllen war aufgegeben, weil immer wieder die Meldung kam: „There was a problem transmitting your form – try again!“. Nee, also nach dem 6. oder 7. mal habe ich nix noch mal getryed. Obwohl angegeben war, dass es Voraussetzung zum Flug ist… Und online einchecken konnte ich auch nicht, weil App nicht genutzt – die Aufregung wurde stärker, zum Glück erst am letzten Abend. Aber mein treuer Gefährte Andreas konnte es gelassen nehmen…
So waren wir am nächsten Morgen brav 2 1/2 Stunden vor Abflug am Flughafen. Die Schalter machen erst 2 Stunden vor Abflug auf. Da es wegen Covid keine normalen Sitzplätze gibt habe ich auf einem Stapel umgedrehter Apothekenkisten gesessen, Andreas auf einem Gestell zum Kofferabmaße bestimmen. Geht auch. Die Schlangen waren lang, da ich aber ja wieder „Assistance“ unter Anderem für Hilfe mit Gepäck (vor allem bei Treppen und langen Wegen und wenn es schnell gehen muss) und dem Verkürzen von langen Stop-and-go-Warteschlangen (und ich sollte bald an Schlagen vorbeilaufen – so lange wie ich noch keine noch nie gesehen hatte…) zum Flug gebucht hatte, habe ich mich in der Priority-Line angestellt. Eine sehr freundliche Britisch Airways checkte mich ein – bis zum „Contact tracing for Covid“-Formular. „Ähh, das konnte ich Online nicht ausfüllen – gucken sie, habe einen Screenshot von der Info gemacht!“ „Mhh“ überlegte sie kurz „aber sie deshalb nicht fliegen zu lassen finde ich jetzt auch übertrieben. Ich habe sie bis Miami durchgecheckt. Sie werden noch häufiger gefragt werden, zeigen sie den Screenshot dass es nicht ging!“ Nun fühlte ich mich „ziemlich sicher“ aber plötzlich war mir nochmal klar, warum ich so aufgeregt war – … sie nicht fliegen zu lassen… – ach du meine Güte. Puhhhhh geschafft. Mit meiner persönlichen Andreas Assistenz hatte ich es geschafft ohne an diesem Morgen meinen 23kg Koffer auch nur einmal zu berühren! Danke Andreas, ich glaube ich habe (vielleicht spätestens) jetzt verstanden, dass sich dich beim nächsten Mal sofort frage und nicht an Taxi denke. Der könnte das mit dem Koffer ja auch, aber die Zeit durch den letzten Abend bis zu Abflug mit dir geht so ja nur mit dir!!!
In Hannover kommt keiner mit einem Rollstuhl und assistiert mir, nicht notwendig, die Wege treppenfrei und die Schlangen kurz. Die Sicherheitsleute untersuchten wie immer sehr regelbewusst mein Gepäck, vor allem meine Essenvorräte scheinen immer interessant…
Jetzt aber – auf nach London – was ja außerhalb der EU liegt – unter anderem deshalb auch die aufwendigen Formularausfüllungen! Da die Assistenz, da wo ich sie am meisten bräuchte – beim im Flugzeug die Koffer in die Overhead compartments zu hoch tragen – aufhört, habe ich nette Mitreisende gefunden, die das getan haben. Die Steward:essen sind bei etwaigen Verletzungen wenn sie es tun würden nicht versichert, und tun es in der Regel nicht.

Ein ruhiger Flug nach London, mit besonderen Wolken- und Himmelsansichten und, immer wieder beeindruckend, Landeanflug mitten über die City von London: Tower Bridge, Themse, Big Ben, Zaha Hamid Aquatic Center (Moksha und ich sind Fans von Zaha Hadid und würden am liebsten nach Aserbaidschan reisen – aber das vielleicht dann im nächsten Leben)… Die Assistance Organisation in London hat gut geklappt – der Rollstuhl stand gleich am Flugzeug. Der erste „Wheelchair pusher“ war extrem nett; es ist angenehm von netten Menschen und anregenden Gesprächen durch das Gewusel der Flughafenwelt geschoben zu werden. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie groß so ein Flughafen ist und was dort alles los ist! Er verabschiedete mich in einen Bus, Gepäck immer bis an die Füße getragen, danke! Der Mensch auf der anderen Seite am Bus sprach viel mit seinem Handy, aber nicht mit mir. Hätte auch nicht viele genutzt, weil ich die Sprache nicht verstand. Es war Inder oder Pakistani oder irgendwo aus der Gegend. Da seine Mitarbeitenden auch alle diese Sprache sprachen fühlte ich mich für einen Moment wie „verflogen“ und woanders in der Welt angekommen. Aber wir verstanden uns dann doch – ich fand auch es würde Zeit jetzt mal bis zum nächsten Gate zu kommen. Wie schön, vorne an der Security Check Schlange durchgewinkt zu werden. Allerdings nutze es nicht so viel, weil der Rollstuhl beim Drogencheck 2x positiv anschlug und der Rollstuhlschieber einige Zeit mit Formularen und Warten und nochmal prüfen verbrachte. Oh man, das schien ihm nicht so oft zu passieren, weil er noch länger telefonierte als vorher. Ich wäre ja gerne ein wenig gegangen vor dem langen Flug, aber es ist immer kompliziert das den Schiebenden zu erklären, vor allem, wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen. So blieb dann noch der Weg zum Klo. Als ich gerade einen Kompressionsstrumpf angezogen hatte, unter interessierter Beobachtung meines „Assistenten“, mir total heiß war und ich fast unter Tränen. (Diese Scheiß-Kack-Strümpfe! Ich dachte die wären schon ausgeliefert, aber die Muskeln meiner Finger scheinen weniger geworden zu sein oder was auch immer…) Es hat fast 10 Minuten gedauert… Schrecklich. Aber, weiter geht´s, PreBoarding für die Rollstuhlgemeinschaft, die mit Kindern und die ganz Reichen, die oben in der ersten Klasse des Airbus 380 sitzen. Vorm Flugzeug verabschiede ich mich von meinem Assistenten und finde einen jungen Familienvater, der meinen Koffer hoch trägt. Fast alleine in meinem „Abteil“ habe ich Zeit für den zweiten Socken. Unfasslich, was für eine Prozedur… Und ich habe noch Zeit mein Essen zu essen, bevor viele andere Leute da sind. Dann möchte ich meine Maske tragen und möglichst für nichts absetzten. Gemütlich eingerichtet für die nächsten 10 Stunden (immer wieder eine Art Meditation für mich soooooo lange auf der Stelle zu sitzen). Ich gucke aus dem Fenster und bin begeistert: Der Flügel des Airbus 380. Wie kann es sein, dass dieses Ding fliegt! Wikipedia sagt: „Der Airbus A380 ist ein vierstrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug des europäischen Flugzeugherstellers Airbus mit zwei durchgehenden Passagierdecks. Der Tiefdecker ist mit einer Kapazität von bis zu 853 Passagieren das größte in Serienfertigung produzierte zivile Verkehrsflugzeug in der Geschichte der Luftfahrt. Es hat eine Reichweite von max. 15.200 km und eine Reisegeschwindigkeit von etwa 940 km/h.“ Er ist das größte und schwerste Passagierflugzeug der Welt, 73m lang, 24 hoch, hat ein Startgewicht von bis zu 560  und die Antriebskraft ist wie die von 3500 Autos! Er braucht über 2 Kilometer zum Starten. Aiaiai, das ist ja wie eine fliegende Kleinstadt! Und er fliegt! Und rüttelt und schüttelt in den Turbulenzen über dem Pazifik. Jetzt heißt es warten, nichts tun und weiter warten. Ich warte auch auf Wasser, habe Durst. Und als kleinen Luxus bestelle ich mir zum Wasser einen Apfelsaft (da ich Moment ja so gut wie zuckerfrei lebe, trinke ich sonst keinen Saft). Lecker, was für eine Freude, mische mir Saft und Wasser, hebe den Becher zum trinken an, irgendein Haltemechanismus in meinem Arm versagt für einen Moment und ich kippe mir die halbe Apfelschorle genau in meinem linken Ärmel. Nee, ne. Keine Ahnung wie das geht. Nass und klebrig war es aber nix weiter zu tun, weil der Ärmel alles sofort aufgesaugt hatte. Es arbeitet noch in mir ob mich das nun aufregt oder nicht als ich beim Abstellen des 1. Bechers den 2. Becher meiner Luxusköstlichkeit leicht antippe und dieser umkippt. Über meine Jacke die auf meinen Beinen liegt, über und in meinen wasserdichten Rucksack, in meine Schuhe. Der Nachbar wirft mir eine Serviette zu. Danke! Ich hatte beschlossen, dass ich mich nicht aufrege, wozu. Als die Stewardess zurückkommen bestelle ich: Ein Wasser und einen Apfelsaft….
Und viele Stunden später fliegt der Airbus380 im Dunkeln mitten über die City von Miami um kurz dahinter zu landen. Ich erkenne einiges wieder was ich im Hellen von unten kenne und realisiere: Ich bin gleich da! Wirklich wahr! Die Zeit war mir lang, das Sitzen und kaum bewegen können – puhhh. Habe Filme geschaut, unter anderem „The Father“ mit Anthony Hopkins über einen dementen Vater und seine Tochter. Wow, was für ein bewegender Einblick in diesen möglichen Teil eines Menschenlebens! Ach ja, mein Handgepäckoffer. Als ich fragen wollte wer mir hilft, waren alle schon weg. Die Stewardess steht neben mir und zuckt mit den Schultern, sie könne nicht helfen. Also wir könnten es gemeinsam tun. NEIN, können wir nicht! Ich bin froh wenn ich meine Arme überhaupt über den Kopf bekomme! Mit Gewicht geht es nicht. Sie schlug mit vor, dass ich beim nächsten Mal den Koffer unter den Sitz tue… Meinen Ausführungen lauschend, wie es meinen Muskeln, Sehnen und Gelenken bei 10 Stunden sitzen ohne bewegen geht und wie es wäre wenn ich meine Beine dann nicht mal mehr ein wenig zu strecken – hat sie dann den Koffer runter geholt. Danke! Fürs nächste mal habe ich einen Plan: Ich steige auf die Lehne vom Sitz, dann ist der Winkel von Arm zu Koffer „besser“ und dann ziehe ich den Koffer so weit raus, bis er von selber auf den Sitz fällt… von da aus kann ich ihn dann auf den Gang heben! Guter Plan!

Ich gehe als fast letzte aus dem Flugzeug und treffe vor dem Flugzeug eine Assistenz-Organisiererin und einen Rollstuhl. Aber keiner da der/die schiebt. Die haben schon die beiden anderen weggeschoben. Jetzt keiner mehr da, wegen Covid kaum Personal – bitte warten. Äh, wie länge? Moment ich telefoniere… Es wird klar, dass es niemanden gibt. Ich stehe nach bald 24 Stunden unterwegs im Zug zwischen Flugzeug und Gangway, völlig fertig mit schmerzenden Gräten und sage halb unter Tränen, dass ich alleine gehe. Das gefällt der Frau nicht, auch wegen der langen Schlange bei der Immigration… Völlig erschöpft und etwas verzweifelt gehe ich. Sie ruft mir nach, dass sie mich vor der Immigration versucht auszurufen und dass es ihr unendlich leid tut. Viele lange Gänge – ich gehe erstmal auf´s Klo. Schön bequem mit all dem Gepäck auf das große Behinderten Klo. Lege mein Handy auf den Klorollenhalter, damit es nicht ins Klo fällt… Viel Gänge weiter: Warten auf den Shuttle Zug, der die Terminals verbindet. Ich treffe eine Rollstuhlschieberin in Arbeit, erkläre ihr mein „Problem“ und frage, ob ich einfach mit ihnen beiden gehen kann. Sie guckt mich freundlich an – sie versteht mich nicht. (Ich vergesse immer wieder, dass es in Florida sehr viele Spanisch sprechende Menschen gibt und bin jedesmal überrascht, dass ich in die USA reise und mit englsich nicht komunizieren kann!) Spricht vielleicht soviel englisch wie ich spanisch. Aber sie winkt mir ich können mitkommen. Im Shuttle will ich Moksha und Peter schreiben… MEIN TELEFON!!! ACH DU SCHEISSE! Obwohl sie nix versteht, versteht sie, dass: Phone/Toilet/forgot. Sie gestikuliert mir, dass ich im Zug bleiben soll und zurück fahren. Total alleine im Zug, alleine auf dem Weg zurück, nur die Frau von vorhin, der es so leid tat, dass sie mir nicht helfen konnte, kam mir entgegen. Mein Telefon lag noch da, wo ich es hingelegt hatte. Was für ein Glück! Es war sehr komisch so ganz alleine. Auch im Zug, auch auf den 100ten meterlangen Laufbändern. Dann sah ich von Weitem eine Menschenschlange. SEHR lang. Die Frau vom Flughafenpersonal sah mich fragend an, wo ich so „spät“ so alleine herangeschlichen komme. Als sie „meine Geschichte“ hört sagt nimmt sie mich fast an die Hand. „I will help you from here“. Wir laufen an mehreren hundert Metern Menschen vorbei. So lange Warteschlangen habe ich noch nicht gesehen. Und erstaunlich: die Flughafenfrau auch nicht. Niemals gibt es hier solche Warteschlangen… Ganz aufgeregt kommt uns die „I am so sorry that I can´t help you“-Frau entgegen. Sie sagte, als sie die Schlangen sah musste sie sich auf den Weg machen mich zu finden. Weil es würde Stunden dauern in diesen Schlagen… Die beiden diskutieren wer mehr zu Sagen hat und mich am leichtesten direkt zur Passkontrolle bringen kann. Und Schwups, stehe ich vor dem Diplomaten-Schalter und bin durch. Mein Pass und mein Visum – sonst will der nix sehen. Am Kofferband sehe ich die Crew und meinen Nebensitzer. So groß wie der war, war er vielleicht ein Baseballspieler. Alle anderen Leute standen wahrscheinlich die halbe Nacht in der Einreiseschlange. Zum Glück habe ich mein Telefon und kann eine SMS mit der Info „door 7“ schreiben. 20min später holen Moksha und Peter mich dort ab. Geschafft. Jetzt nach Hause. Moksha und Peter sind auch erst vor 3 Tagen „von Mama“ zurückgekommen. Moksha war 7 Monate nicht hier. Mein Zimmer haben die beiden gestern ganz und gar aufgeräumt, den Rest machen wir jetzt gemeinsam.
Nach einer wenig geschlafenen Nacht bin ich sehr müde und spüre den Jetlag überall – aber ich bin sehr glücklich hier zu sein!

 

1 Kommentar

  1. Scheint ja so, das ich den ganzen Weg begleiten soll.
    Is aber nich
    Aber nach Norge oder Sverige, wenn Auto.
    Oder Potsdam.
    Drücke Euch

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